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2WEEKSlater oder Zur Sache, Schätzchen oder Geknutscht wird später

Am Montag hatte ich meine letzte Fachprüfung! Ich hatte mich wieder mal drei Wochen aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Wie ein ausrangierter Raucherbahnwagon auf dem Abstellgleis saß ich am Schreibtisch. Die Sonne blinzelte durch mein großes Fenster und hatte eine Schar Kinder an der Hand, die sie ins Freibad begleitete. Ich ließ das Rollo herunter. Jeden Tag! Jede Woche!
Doch heute war Montag und damit Schluss! Die Prüfung war erst um 15 Uhr. Die beiden Professorinnen waren gut gelaunt, ich war gut vorbereitet und so lief die ganze Veranstaltung rund wie ein praller Lederball auf englischem Rasen.
Bis auf sieben einsame Biere ist in den drei Wochen sonst nichts passiert!
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Nach mehreren Wochen war sie wieder mal zu Gast bei ihren Eltern. Die Reise von der großen Stadt bis in die provinzielle Heimat war immer mit einem gewissen Aufwand verbunden. Wie jedes Mal wurde auch jetzt ein Sommerfest in einem der 8km entfernten Nachbardörfer gegeben. „Da triffst du doch alte Freunde!“ Hatte ihr alter Herr gesagt und dabei wie der gute Harry Houdini geklungen, der gerade seine reizende Assistentin in die Sägekiste sperrt. Na gut, Meister, dachte sie und machte sich kaum zu Hause angekommen auf den Weg.
Vor Ort waren die meisten schon betrunken. Ein alter Mann kotzte auf die Festwiese. Er war dabei so rhythmisch, dass man mit geschlossenen Augen denken konnte, zehn Busenfrauen kippten sich nacheinander zehn Eimer Wasser auf ihre weißen T-Shirts. Die Illusion klappt aber wirklich nur mit geschlossenen Augen, dachte sie. Kurz vor dem Zelt in der Mitte der Wiese sprach sie ein gut aussehender und auffallend nüchterner, junger Mann an. Er hieß Maurice. Das war hier etwas besonderes, weil sonst niemand in der Gegend Maurice hieß. Es sollte keine Gegend geben, dachte sie, in der jemand Maurice heißt. Das dachte sie aber nur kurz. Sie kannte ihn vom Sehen, weil sie mit seiner Schwester zur Schule gegangen war. Das schuf den beiden Gesprächsstoff. Eine viertel Stunde so genannter Openergesprächsstoff, der nur dazu dient, auf etwas anderes zu kommen, über das man sich unterhalten kann, ohne dass man das Gefühl hat, seine Zeit zu vergeuden. Sie fanden aber nichts. Auch nicht nach einer weiteren halben Stunde verprassten sie, als hätten sie im Zeitlotto gewonnen und könnten ohne auf die Uhr zu sehen, mit jedem, der vorbei gelaufen kommt, 30 Minuten verjubeln. „Komm, ich kann dich nach Hause fahren.“ Sagte er irgendwann, viel zu spät. Im Auto säuselte Elvis Costello aus den Boxen. „Das ist aber nicht der direkte Weg!“ stellte sie wie eine Stichwortliferantin in einem Lustspiel fest.
„Wir fahren zum Strand! Sternschuppen zählen!“
„Mhm!“
Er parkte auf einem kleinen Parkplatz oberhalb des Strandes und lief vom Auto vor bis zur Wassermarke. „Eins! Da ist eine Sternschnuppe!“ rief er und lachte. Sie lief weniger schnell und stellte sich neben ihn. „Da ist auch eine!“ sagte sie und deutete nach oben. „Da ist auch eine!“ flüsterte er, legte seinen Arm um sie und betrachtete sie. „Du bist schon eine süße Maus!“ „Und da ist auch eine!“ rief sie, deutete nach oben und wand sich aus seiner Umklammerung. „Damit habe ich gewonnen und wir können nach Hause fahren.“

„Süße wäre ja rein theoretisch noch drin gewesen. Das ist noch im okayen Bereich.“ Erzählt sie mir im Nachhinein. „Aber Maus?! Nene! Gott sei Dank hab ich den nicht ausgelacht, sonst hätte der mich möglicherweise nicht mehr nach Hause gefahren. Der Maurice!“
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Letztens hab ich mir Ohrstöpsel gekauft und sie einen Tag Probe getragen. Ich musste nichts hören. Keine Autos, keine Gespräche, kein Gehuste, nur meinen Atem. Dabei hatte ich drei Beinahunfälle. Außerdem konnte ich die kleine Frau beim Sex nicht mehr hören. Das macht doch keinen Spaß, dachte ich und gab die Stöpsel zurück.

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Dogma No. 1:

Schreiben - 1mal lesen - bloggen
24.5.09 13:52
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


onkelbeine / Website (25.5.09 12:44)
Im Zeitlotto gewinnen und mit jedem, der vorbeigelaufen kommt, 30 Minuten verjubeln: das Bild könnte ich so untern Arm klemmen und stiften gehn!

total ungerecht!


me. / Website (20.6.09 16:24)
"maus" verlangt nach einem vernichtenden blick unter hochgezogenen augenbrauen

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