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Schamanen

Ideen dünsteten durch den luftleeren Raum und brachen schwallartig über dem Genick entzwei. Der kleine Mann lief nackt durch den harzigen Pinienflur und fing die Einzelteile auf einem kleinen Silbertablett auf, das ungeputzt aussah wie eine alte Damenbinde. Er hatte keine Zeit sich zu ekeln, geschweige denn sich die Nase zu zuhalten. Nach einer halben Stunde wußte er nicht mehr wo er war. Er fragte bei den Herren an, doch diese pusteten in aus und er verging. Nur das Tablett blieb. Heute: Kalte Platte, stand auf dem Schild daneben.
Zufrieden grunzte der Typ mit den kurzen blonden Haaren, den alle nur Kowalski nannten, weil er aussah wie ein schlitzohriger Pole. Der andere, Dimi, machte einen sehr viel fertigeren Eindruck.
Fotze!
Was!
Nichts!
Fick dich!
Der Rhythmus der Musik basste in ihren Magengruben. Dimi schluckte den Brechreiz runter und begann von neuem den Versuch einer Konversation:
Was wären wir wohl, wenn wir Tiere wären?
Was wären wir wohl, wenn wir Tiere wären, echote Kowalski und schmiss mit einem dreibeinigen Kerzenständer in Richtung Ohrensessel, in dem Dimi seit seiner Ankunft saß. Kowalski lümmelte auf einem okkafarbenden Ledersofa. Sie hatten beide rote Samtbademäntel übergezogen und einen Pida Colada in der Hand, von dem sie beide keinen Schluck getrunken hatten. Das war Teil der Abmachung.
Kein` Schluck, brüllte Kowalski, als Dimi mit geschürzten Lippen nach den überlangen Strohhalmen tastete.
Fotze!
Was!
Nichts!
Ach, fick dich!
Beide wussten nicht ganz genau, wann die Stimmung gekippt war. Auf jeden Fall hatte Kowalski eine üble Laune und Dimi wusste, dass man ihn in einer solchen Situation besser nicht herausfordern sollte. Er schwitzte.
Der Raum sah aus wie ein Schlachtfeld. Auf dem ganzen Boden waren Audiokassetten und Scherben verteilt. Der kleine runde Drehtisch mit Lederbezug war angefüllt mit leeren Wein- und Wodkaflaschen. Der Aschenbecher quoll über, so dass der ganze Tisch mit einer ungleichmäßigen Ascheschicht überzogen war. Vor knapp zwei Stunden hatte einer von beiden die Lavalampe an die Wand geschmissen, so dass der Formaldehyd langsam die dunkelrote Wandfarbe zersetzte und einen solch penetranten Gestank verursachte, dass sie sich beide schon zweimal übergeben hatten. Da sie nicht mehr wussten, wer es nun gewesen war und sich nicht die Blöße geben wollten, den Dreck weg zu machen, den möglicherweise der andere verursacht hatte, blieben sie beide sitzen und fechelten sich mit Pornomagazinen Luft zu. Der Geruch war unsäglich.
Noch zwei Stunden dann dürften sie endlich gehen. Dieser gehaltlose, coole Scheiß geht mir mächtig auf den Sack, dachte Dimi und fühlte wie dieser Gedanke drohte ihn zu überfordern. Schnell machte er den Fernseher an, der mit voller Lautstärke los donnerte. Der Schall brach sich an den kahlen Wänden und ergab vermischt mit der Musik aus der Stereoanlage einen ohrenbetäubenden Audiomatsch. Erleichtert ließ er sich zurück gegen die Sessellehne fallen.
Den schaff ich, dachten beide und erbrachen.
30.7.06 21:41
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


500beine / Website (31.7.06 11:00)
tja, was wir wohl wären, wenn wir tiere wären. ich wäre ein neuschier (erdmännchen).
und du? stiesel? kaugummiapparat?
na!


Simon / Website (31.7.06 19:54)
Ich waere definitif ein Ruebstiel, und den Tisch kenn ich auch..... So!


Deliah / Website (5.8.06 18:10)
Also ich würde in diesen Geruch ja eine brennende Kippe werfen.... dann hat sich das Gekotze... außerdem bekomme ich beim lesen so ein Gefühl von "wo zum Teufel steckt denn die Nadel, die ich eben noch im Arm hatte?"...




onkel / Website (9.8.06 16:23)
also erich.

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