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Wir sind der Kalte Krieg

„Dreizehnuhrelf geht der scheiß Zug los, dann steht ihr bei den Mädels auf der Matte!“ Befiehlt mir Benni am Sonntag. Bekacktes Karneval, denk ich und stimme zu. Das geht auch nicht, dass man Benni widerspricht. Wenns ums Saufen und Bützchen Verteilen geht, lässt er nicht mit sich spaßen. Jeden Hauch eines Einwands spült er mit einem „MÄNNER!“ über Bord, wobei er sehr viel Wert auf die ausgeprägte Intonation des Äs legt. Das käme vom Fußball, erklärte mir Torsten irgendwann mal. Da würde man ständig jemanden an- oder umähen. Da ist er im Training. Ähhh Schiri… Aha!
Morgen also Saufen! Nagut, morgen Halsprozess wäre wirklich schlimmer und der verhasste Spaß auf Knopfdruck – Karnevalseffekt stört nach dem ersten Liter auch keinen mehr. Der Kommandeur will mich um 12 Uhr mit seinem Auto abholen. Wir brauchen noch eine Verkleidung. Er ist eine halbe Stunde zu spät und guckt etwas ungeduscht aus seiner Wollkappe hervor als ich ihm die Tür aufsumme. Von Flusens Party ist noch ein Kasten Hans A über. Der muss mit. Kein Problem. Ich steige ins Auto. Aus den Boxen plärrt lauthals Keith Flint „smack my bitch up“. Ich nicke. Der Kommandeur nickt. „Ich muss mal langsam nen bisschen drauf kommen.“ Schreit er gegen seine Bassröhre an und dreht lauter. Außer einem kurzen Grinsen vom Kommandeur als ich merke, dass er geknattert hat, findet während der ganzen Fahrt keine Konversation statt. Die Musik ist zu laut. Wir fahren zu Kik um die Ecke. Da kriegt man ein komplettes Kostüm für drei Euro. Und mehr ist gerade auch echt nicht drin für so ein Scheiß.
Angekommen empfängt uns ein Gespräch zwischen zwei Verkäufern. „Diese bekackten Studenten. Die nehmen uns mit ihren Aushilfsjobs die ganzen Arbeitsplätze weg. Erst wir! Dann die!“ Der andere nickt. Wir nicken auch, weil wir immer noch die Musik der Fahrt im Ohr haben.
Nun also ein Kostüm! Siamesische Zwillinge sollen es werden. Ein T-Shirt XXL, zwei Jogging-Hosen, zwei Plastikwummen mit kleinen Kugeln und zwei Schaumstoffschwerter. „Die Waffen kann man immer gut gebrauchen, um Benni zu ärgern und der checkt mal wieder nicht, wo was her kommt.“ Verspricht der Kommandeur an der Kasse. Wir fahren zu ihm, bringen das Auto weg und drapieren unsere Verkleidung.
„Hm“, sag ich. „Wir brauchen noch eine Geschichte. Wir sind siamesische Zwillinge und sind verfeindet.“
„Klar, deswegen die Waffen. Wir rüsten auf.“
„Wir sind im Kalten Krieg.“
„Wir sind der Kalte Krieg!“
„Perfekt, die siamesischen Zonenbastarde aus den überschätzten 80ern.“
„…aus dem beschaulichen Dorf Nuttenstädt an der Oder.“
„Gezeugt von einem Ami und einer Russin.“
„Allein gelassen im Grenzgebiet zerstreiten sie sich im Alter von sieben und rüsten seit dem auf.“
„Du bist Michail Michalowitsch und ich bin Michael Mitchell.“
„Du und ich, wir sind der Kalte Krieg.“
Diese Erkenntnis über unser gemeinsames Kostüm bleibt das Highlight des Tages. Wir überlegen noch kurz Beine unserer Hosen zusammen zu tackern. Das klingt uns dann aber beiden zu gewagt. Stattdessen male ich dem Kommandeur noch Hammer und Sichel und er mir Sterne auf die Wange. Wir tragen den Kasten vom Kommandeur zu den Mädels um die Ecke. Es ist vierzehn Uhr und der Zug ist fast vorbei. Benni macht die Tür auf. Er ist als Bauarbeiter mit Blaumann und gelben Helm verkleidet: „MÄNNER! Ihr seit zu spät.“ Er nimmt einen ordentlichen Schluck Bier. „Ich bin schon fast voll! Noch nicht gefrühstückt. Mann, seht ihr scheiße aus. Den Kasten könnt ihr dahin stellen.“
Der Kommandeur setzt mit seiner neu erworbenen Knarre einen gekonnten Schuss aus der Hüfte direkt an Bennis Helm. „Ey, was war das? MÄNNER!?“
Der Rest des Tages ist dann Karneval. Wie das halt so ist. Voll! Voll bescheuert!
25.2.09 21:06
 


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