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Bierfest

Die Klausur war ein totaler Reinfall. „Scheiße!“, flucht Raskolnikow. Wir stehen vor dem Institut in der Sonne und qualmen kleine Zornwolken in den blauen Himmel. Sogar Chris zieht zwei- dreimal an meiner Zigarette. Der Prof hatte sich nicht an die Absprachen gehalten und uns Aufgaben losgelöst vom gelernten Themenblock gestellt.
„Ich geh da jetzt hoch und erzähl dem, wie scheiße ich das finde!“ verabschiedet sich Raskolnikow und verschwindet im Gebäude, um besagten Prof einen Besuch abzustatten.
„Hoffentlich ist der nicht da!“ grinst Chris und gibt mir meine Zigarette zurück. „Nich da!“ bestätigt Raskolnikow eine Minute später. Er hatte am meisten von uns gelernt und bekam die abwegigste Frage. Er zieht die Brauen tief ins Gesicht und sieht aus wie ein Menstruationsproblem. Jetzt erstmal Mensa und dann gepflegt nichts tun und sich mental auf den Abend vorbereiten.

Schon im Vorhinein hatte Raskolnikow das Motto für dieses Nachklausurtreffen festgelegt.
„Motto des Abends ist ‚Bierfest’! Ahh, großartig. Das gibt das volle Programm: Saufen mit Kotzen und Hinfallen.“

Gegen vier Uhr verabschiedet er sich. „Ich geh schon zu Micha.“
„Wie? Was ist denn mit später?“
„Heute abend ist noch WG-Party bei Rolle, da wollte ich auf jeden Fall noch hin. Vielleicht komm ich dann noch hier vorbei. Mal schauen. Wir sehen uns auf jeden Fall später im Club oder so. Lass noch mal telefonieren.“

Am Abend sind ungefähr fünfzehn Leute auf unserem Balkon. Drei haben je einen Kasten Bier mitgebracht. Irgendwer kommt noch mit Cola und Ouzo an.
„Ich trink heute nur Mische!“
„Moment mal. Heute ist Bierfest angesagt.“
„Heute ist Mische angesagt, Freundchen!“
Ich kenn den Typ nicht. Tom hatte den angeschleppt. Machte erst einen ganz vernünftigen Eindruck, nur diese Mischenummer ist irgendwie unpassend. Er guckt eher wie ein Bierchen, denke ich und nicke. Er bietet mir sein volles Colaouzoglas an. Ich nippe. Es schmeckt nach Salmiak mit Schnapsatem. Wortlos gebe ich das Getränk zurück. Er grinst überzeugt. Ich trinke einen tiefen Schluck aus meiner Flasche. Das ist besser. Wir reden über Thailand, die Vorzüge der dtv-Ausgaben gegenüber Reclam, Sex im Audimax, später über H&M und die abartige Verschuldung auf Grund von hohem Lebenstandart im Studium, der sich nicht im geringsten mit der vorherrschenden Finanzkraft deckt.
„Mein Dispo gehört mir!“ propagiere ich etwas schief in die Gruppe.
„Wir gehen jetzt!“, erwidern die Mädchen. „Los! Auf! Inn Klup!“

Da ist entgegen unseren Hoffnungen mal gar nichts los. „In den Raucherraum! Rauchen!“ versucht der KOMMANDEUR die Situation zu retten. Doch auch da ist nach vier Bier der Hahn zu und wir ziehen stark dezimiert in die Artillerie-Bar um. Da ist zwar auch nichts los, aber das Bier ist billiger und das Publikum noch kaputter. „Das passt jetzt besser!“ schnauft Chris.
Wir setzten uns an einen Tisch mitten im Raum. Von der Bar stürzt ein junger Typ mit Turbojugend-Jeansjacke auf uns zu.
„Habt ihr Stöpsel?“
„Wat für Stöpsel!“
„Ja, hier Ohrenstöpsel! Ich muss dem Typ da was zeigen!“ erdeutet auf einen langen hageren Mittdreißiger, der sich angeregt mit einem Unterlippenpiercing unterhält. Es geht um Musik.
„Ey, Alter. Der kennt Blackmail nicht. Das ist doch einfach der Wahnsinn.“
„Wahnsinn!“ sag ich.
„Wahnsinn!“ echot der Kommandeur. „Nee, ham wa aber nicht.!“
„Was?!“ er dreht sich wieder zu seinen Kumpels. „Das gibt’s doch gar nicht…“
Hinter uns sitzt ein Gruppe Peruaner. Chris dreht sich um: „Hola. Que tal?“ Da kommt der Turbojunge wieder rüber:
„Ich setz mich mal zu euch. Der macht mich fertig.“
Das finde ich gut und sage: „Mach das doch mal. Wieso ist denn Blackmail gerade so wichtig.“
„Entschuldigung, aber Blackmail ist doch wohl unsere letzte Hoffnung!“ orakelt er.
„Außerdem ist Blackmail eine ganz hervorragende Band.“
„Das stimmt.“
„Ich bin Cutter. Aus Köln!“ stellt er sich vor. „Cutter von Blackmail!“
„Cutter von Blackmail?! Was macht man denn so als Cutter von Blackmail!“
„Naja, Musikvideos von Blackmail cutten und so was. Gerade machen wir ein Projekt, da geht’s um die Frage, warum Rockmusik in Deutschland nicht funktioniert. Bzw.“ Seine Mimik wird dramatisch. „Warum deutsche Rockmusik nicht funktioniert.“
„Tut sie das nicht?“
„Na hör mal!“ schiebt sich das Unterlippenpiercing an unseren Tisch und in das Gespräch. „Wenn du in den Staaten jemanden nach deutscher Rockmusik fragst, dann kennt der Nena, Kraftwerk, Rammstein und die Scorpions. Das geht doch mal gar nicht.“
„Das geht aber so was von gar nicht!“ sagt der Cutter.
„Das geht wirklich nicht!“ bestätige auch ich. „Und Blackmail greift uns und der Welt natürlich da jetzt kräftig unter die Arme, ja?“
„Ja ne. Das wird ja auch wieder nichts. Das läuft hier halt nicht so wie in England oder so. Da gibt’s nen bestehenden Markt für so was. Siehste ja, was da gerade los ist. Sogar die Skandinavier kriegen das besser hin als wir.“
„Ey, aber dafür haben wir the Notwist! Die haben wenigstens den deutschen Indiepop gerettet. Die hörste auch in New York.“ weiß ich.
„Stimmt, die sind gut.“ Nickt das Piercing. „Aber dann frag mal Person XY in New York nach the Notwist. Der kennt dann auch nur wieder Rammstein.“
„Wen interessiert denn XY?“ unterbricht ihn der Cutter.
Eine Diskussion genau nach meinem Geschmack und Vollheitslevel. Chris und der Kommandeur kümmern sich derweil um Peru.
Plötzlich knallt die Tür auf. Raskolnikow platzt in den Raum voll wie ein Freizeitpark im Juli.
„Zweitausend Bier!“
„Was?“ erkundigt sich die Barfrau.
„Dreitausend Bier, sag ich!“ brüllt Raskolnikow.
„Ich komm gleich!“
Er wankt zu unserem Tisch. Sein Gang ist unsicher. Er grinst.
„Na, ihr Kotnascher! Ey, ich hab doch gerade ein Bier bestellt?“
„Ja, wieso?“
„Ja, Scheiße! Wo isn das!“ Er setzt sich nach Peru. „Mi nombre es Raskolnikow y Yo vengo desde el espacio.“ (Mein Name ist Raskolnikow und ich komme aus dem All! Mehr kann er nicht. Hat er von einer Alf-Kasette!)
Ich dreh mich wieder ins Gespräch. Es geht jetzt um die Definition von deutschem Rock. Vergeblich versuche ich Tomte, Kettcar, Pale und Element of Crime als Pop zu klassieren als sich Raskolnikow an unseren Tisch setzt. Er beäugt den Cutter und beugt sich über den Tisch an mein Ohr: „VORSICHT! Der sieht aus wie meine Exfreundin!“ Er brüllt und deutet auf den Cutter. „Der ist schwul. Das sach ich dir. Oh, wenn der Brüste hätte. VORSICHT!“
Ich nicke in die Runde. „Jaja, wir reden gerade über den deutschen Rock. Sag du doch mal was dazu.“
„Also, wenn ich ehrlich bin. Dann ist mir der deutsche Rock ziemlich Scheißegal. Aber so was von. Scheiß auf Musik aus Deutschland.“
„Was ist denn mit den Beatsteaks?“ frag ich ihn.
„Ja, gut. Die nehm ich raus. Die sind gut.“
„Und Jennifer Rostock?“
„Ja gut!“
„Und Sport und Turbostaat und Siva und…“
„Ok. Ich scheiß aber trotzdem drauf.“ Das Thema ist für ihn abgehakt und meine beiden Gesprächspartnerhaben auch keine Lust mehr.
„Morgen arbeiten.“ Entschuldigen sie sich.
„Hähä!“ lacht Raskolnikow. „Lass auch mal gehen. Wir müssen irgendwo noch was trinken. Aber nicht hier.“ Er geht raus. Ich zahle und komm mit Chris nach. Vor der Tür liegt Raskolnikow der Länge nach neben seinem Fahrrad. „Hoppla.“ Chris schnappt sich sein Rad und parkt sein Vorderrad auf Raskolnikows Kopf. „Ey, du Penis.“ Er rappelt sich auf. „Hehe, Saufen mit Kotzen und Hinfallen.“ Er steckt sich den Finger in den Hals. Nichts passiert. Er flucht und schwingt sich auf sein Rad. „Wir sehen uns zu Hause, ihr…“ Er nutzt die ganze Straßenbreite. Zu Hause angekommen sitzt Raskolnikow in Boxershorts und Unterhemd mit David Hasselhoff Aufdruck am Küchentisch. Er schläft. Wir bringen ihn ins Bett. Die zweite Pflicht des Abends bleibt unerfüllt.
18.9.08 23:58
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(19.9.08 13:25)
ist wichsen auch pflicht?


Nasenhaarspender / Website (19.9.08 13:30)
Das gehört doch zu einem ordentlichen Tagesablauf wie Zähne putzen und Hintern abwischen. Ist hier also nicht gemeint.


hasselhoff / Website (19.9.08 15:44)
los! auf! inn klup!


minotaurus / Website (19.9.08 20:44)
Mehr kann er nicht. Hat er von einer Alf-Kasette!

Ganz der Onkel. Bravo!


happy (19.9.08 23:51)
nä geil!
so was von!
määääääääääääääähr!

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