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Königreich Wilhelmsburg

Die Sonne schien. Ein wunderschöner Nachmittag ließ seine Beine in einen kleinen Ableger der Elbe baumeln. An den Bierständen war wenig los. Das Zapfpersonal vertrat sich ein wenig die Beine. Auch mal Musik hören! Allerdings war die Bühne gerade leer. Musikentleert aber tüchtig wuselten eine Hand voll Arbeiter über die Bretter, schoben und zogen, räumten und stellten, so dass der Umbau in den geplanten 10 Minuten gemacht war. Gisbert zu Knyphausen hatte gerade gespielt, die Fotos sollten nun folgen. Seit zwei Uhr legte im Dockville schon ein DJ auf und beschallte den Vorplatz, von dem man einen wunderschönen Blick auf die Industriekulisse auf der anderen Wasserseite hatte. Die hölzerne Häuserfront wurde nur für dieses Wochenende zusammengeleimt und aufgestelzt. Ein paar Unsortierte saßen auf den Stufen der Veranda. Der Bass summte über die wenigen Bäume die vereinzelt im Weg standen und streichelte die hohen Hecken, die das Gelände zu beiden Seiten begrenzte. Fünf oder sechs Mädchen mit langen Haaren scharten sich um den Eingang der Siebdruckwerkstadt. Zwei Männer, der eine im Nadelstreifenanzug, der andere in kurzer weißer Sporthose, engem Nylonhemd, Krawatte, Pilotensonnenbrille, Schweißband im Haar, und Stulpen an den Beinen tanzten mit kleinen Bewegungen vor dem DJ-Pult.
Die kleine Frau rauchte neben mir ihre Nichtraucherzigarette. „Der heutige Tag ist wie eine Eckkneipe in der Nichtraucherzone.“ Schmauchte sie neben mir. Ich blinzelte und nippte an meinem Bier. Wir saßen etwas abseits auf dem Boden und hatten unsere Schuhe ausgezogen. Ich freute mich schon auf State Radio, die ich bereits vor zwei Jahren einmal live gesehen hatte. Damals kamen wir etwas zu spät und konnten nur noch zwei Songs erleben bis der einsetzende Regen einen Kurzschluss verursachte und die Beschallungstechnik lahm legte. Doch heute blies die kleine Frau den Rauch in den wolkenlosen Himmel.
Ich lehnte mich zurück und stieß an den Rücken eines jungen Mannes der prompt neben mir auf den Boden rutschte. Er war etwas jünger als ich und verschwitzt. Sein Haar klebte an seiner Stirn. Der Oberkörper und die Füße waren nackt. In der linken Hand hielt er ein braunes, geknülltes T-Shirt. Es war klätsch nass. Eine dünne Dreckkruste hatte sich in seinen Mundwinkeln angesammelt.
„Willste mal riechen?“ schnarrte er und guckte mich mit zusammengekniffenen Augen an. Er machte einen einigermaßen dichten Eindruck.
„Nee.“
„Is von Gisbert!“ Er nickte.
Ich nickte auch. „Aha.“
„Willste jetzt mal riechen?“
„Nee, immer noch nicht!“
„Gisbert ist ein König! EIN KÖNIG!“
„Ahso.“
„Ja, ein König. Ich geh zu Gisbert und sag: ‚Gisbert, du bist ein König!’ Sacht Gisbert drei Worte: ‚Tomte ist scheiße!’ ‚Ja’, sach ich. ‚Stimmt genau! Tomte ist scheiße!’ Sacht Gisbert drei Worte: ‚Kettcar ist scheiße!’ Ich so: ‚Jaaha, genau! Kettcar ist scheiße! Stimmt genau!’ Sacht Gisbert noch mal drei Worte: ‚Fettes Brot ist…’ Ach nee, sind vier! Gisbert sacht vier Worte: ‚Fettes Brot ist mittelscheiße.’ ‚Genau’, ich so. ‚Fettes Brot sind absolut mittelscheiße.’ Sacht Gisbert: ‚Ja, Moment. Fettes Brot sind gut:’ Sach ich: ‚Ganz genau, Gisbert. Die sind saugut.’ Ohh, Gisbert ist ein König“
„Na“, schmunzel ich etwas zu nüchtern. „Da hast du ja deinen Messias gefunden!“
„Ja, Messias. Sogar noch besser! Gisbert! Da sach ich zu Gisbert: ‚Gisbert, ich möchte dir körperliche Freuden bereiten.’ Da sacht er: ‚Na, da hab ich meine Frauen, die wollen das auch. Da steh ich irgendwie mehr drauf, aber du kannst mir einen Gefallen tun.’ ‚Was soll ich tun?’ ‚Geh auf den Berg…“ Er deutet auf einen Lehmhügel hinter den Duschkabinen. „ ‚ Geh auf den Berg und verkünde: Gisbert ist ein Gott!’ Und jetzt suche ich Jünger, die mit mir kommen! Wollt ihr mit mir kommen?“
„Ach, nee.“ Winke ich ab. „Außerdem finde ich Tomte ganz gut!“
„WAS!“ er sprang auf, als hätte ich ihm einen saftigen Arschtritt verpasst, drehte sich um und wieslte in einem erstaunlich zügigen Tempo murmelnd in Richtung Wald. „Verfickte Scheiße, blöde Dreckswichspimmel…“
Wir guckten ihm nach. Die kleine Frau zog an ihrer Zigarette und grinste mich an. „Kronloyal, was?“ Ich nickte und trank einen Schluck von meinem Bier
21.8.08 21:46
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


wollte ich nur mal gesagt habe / Website (29.8.08 08:31)
story mit klasse mittelteil. (gut hingehört.)


le onkle / Website (29.8.08 16:16)
teilkasko klasse mittelstory.


le onkle / Website (29.8.08 16:22)
Übrigens: Hast du zufällig eine Kamera? Mit der du filmen könntest, wie ich was lese? Oder so?


le onkle / Website (1.9.08 10:03)
hallo, freund. Ich habe mich am WE außerhalb vom netz aufgehalten und daher erst Gerade Jetzt deine antwort bezügl. camera in mich reingelsen: 1. FEIN!
Und 2.: Aber natürlich! (Dikes Blat farn.)

Wann kann ich denn aufs angebot zurückgreifen? ich hätte was vorzulesen, promomäßig, Sie verstehen.
am besten: du liest und wir tun dann so, als seist du ich. ok.

Der Montagsonkel


onkelexpress / Website (8.9.08 11:36)
mahlzeit! (kamera wird im laufe des septembers akut.) und nu schön weiter lernen.

nachtschwester annegret

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